26. Februar 2012 - Invocavit

Aufbruch in ein neues Leben

„Fasten ist ein Gewinn für Körper, Geist und Seele“ – so macht man heute Reklame, um den alten Brauch des Fastens wieder zu beleben: Den Körper reinigen, die Gesundheit stärken, die Müdigkeit überwinden. Jetzt kommt das Leben wieder ins Lot. Wer fastet, so die überzeugende Botschaft, tut sich etwas Gutes.

Während gesundheitsbewusste Menschen das Fasten immer mal wieder für sich entdecken, gehen in der heutigen Zeit die religiösen Wurzeln für diesen Brauch mehr und mehr verloren. Nachdem man Karneval gefeiert hat und dem „Fleisch ade“ gesagt hat, denn genau das heißt Karneval, folgen auf den Aschermittwoch nach dem christlichen Kalender 40 Tage der Passionszeit. Der Weg Jesu nach Jerusalem und sein Leiden stehen im Mittelpunkt. Doch begeht man diese Zeit noch bewusst in diesem Sinn?

Ursprünglich hatte die Fastenzeit eine spirituelle und eine soziale Dimension. Durch das Fasten wollte man sich für Gott öffnen, das Gebet vertiefen und den Heiligen Geist im eigenen Leben stärker erfahren. Man verzichtete auf Lebensmittel, um andere unterstützen und ernähren zu können. Das war ein Zeichen christlicher Nächstenliebe.

Doch auch heute noch gibt es Menschen, die der Passion Christi in ihrem Alltag nachgehen wollen. Durch den Verzicht auf Genussmittel, auf Alkohol oder Nikotin, Schokolade oder Kaffee versucht man, den Tag bewusster zu erleben. Ohne Überstunden mehr Zeit für sich, für die Familie, Freunde und Nachbarn zu haben. Nicht nur dafür zu leben, mehr Geld zu verdienen. Denn Überfluss allein macht nicht glücklich.

Liebe Leserinnen und Leser, ich lade Sie herzlich ein, die Zeit vor Ostern in diesem Jahr ganz bewusst zu gestalten. Nehmen Sie sich Zeit, Ihren Alltag bewusst zu unterbrechen und die Zeit vor Ostern einmal anders zu gestalten. Vielleicht schließen sie sich der Aktion „Sieben Wochen ohne“ an. „Gut genug! Ohne falschen Ehrgeiz!“ so lautet das Motto in diesem Jahr. Fühlen Sie sich frei, die alte christliche Fastentradition für sich neu zu entdecken und den Aufbruch in ein neues, erfrischtes Leben zu wagen.“

von Christhard Greiling, Pfarrer im Entsendungsdienst in der Kirchengemeinde Steinhagen.