14. Januar 2012 - 2. Sonntag nach Epiphanias

Kennen Sie das? Der Wecker klingelt, aber sie liegen schon seit zwei Stunden wach. Etliche Gedanken sind Ihnen durch den Kopf gegangen: Was muss ich heute alles im Job erledigen? Was ist gestern liegen geblieben? Und die Familie – haben die Kinder ihre Hausaufgaben gemacht, für die Prüfung gelernt? Reicht das Geld bis Monatsende?

Der Wecker hat geklingelt, aber sie sind schon wieder müde, mögen nicht aufstehen, wälzen sich dennoch schwerfällig aus dem Bett. Der Tag muss angefangen werden.

Von schweren Krankheiten oder Arbeitslosigkeit abgesehen, sind es auch diese scheinbar kleinen Dinge, die den Alltag schwer machen können. Nicht jeder Tag ist ein guter, fröhlicher, erfolgreicher, ausgefüllter, friedvoller Tag. Nicht jeder Tag beginnt voll Energie oder endet voll Zufriedenheit.
Wie schafft man es, mit einigermaßen heiler Haut da durch zu kommen? Mit einem Morgengebet, einem Stoßseufzer gen Himmel, einem Abendgebet? Woher kommt die Kraft, die Dinge anzugehen? Macht man sich selbst Mut oder lässt man sich von anderen ermutigen, erwächst Mut aus guten Beziehungen?

Im neuen Testament finden sich Beispiele von Menschen, die in verzweifelten Situationen den Mut nicht verloren haben. Viele, die Jesus um Heilung und um Hilfe bitten, sind in verzweifelten Situationen. Sie finden den Mut, das schier Unmögliche zu hoffen und zu erbitten. So wie Bartimäus (Mk 10,46-52). Er schreit um Hilfe, traut sich, sich mit seinem Schicksal nicht abzufinden. Jesus hört ihn, ruft ihn zu sich. Und plötzlich machen auch die anderen Bartimäus Mut: „Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!“

Ich weiß manchmal nicht, ob ich die Aufgaben eines Tages bewältigen werde, wenn der Wecker klingelt. Aber ein Gebet am Morgen oder am Abend ist ein Kontakt mit Gott, meine Begegnung mit ihm. Daraus schöpfe ich dem Mut, loszugehen und zu tun, was dran ist. Daher kommt meine Kraft für den Alltag. Mein Glaube macht mir Mut – jeden Tag.

von Frauke Brauns, Redakteurin und Öffentlichkeitsbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Halle.