27.11.2017 16:38

Persönliche Eindrücke aus Namibia

Walter Moritz veröffentlicht Erinnerungen über seine Zeit als Missionar

Walter Moritz präsentiert sein neustes Buch in der Reihe „Aus alten Tagen in Südwest“. (Foto: fra)

WERTHER – Werther, Bielefeld, Wallenbrück, Spenge, Werther – und immer wieder Afrika. Pfarrer i.R. Walter Moritz ist als Pfarrer und Missionar viel herumgekommen und hat einiges erlebt. Jetzt hat er ein Buch über seine „12 Jahre als Missionar in Namibia und Wupperthal/Südafrika“ herausgegeben. Es ist überschrieben „Vom Paradies in die Wüste“.

Die Missionsarbeit faszinierte Walter Moritz schon in der Kindheit. 1933 in Bielefeld geboren, wuchs er im Gemeindehaus der Bielefelder Paulusgemeinde auf, wo seine Eltern arbeiteten. Dort lernte er Missionare kennen, die im Kindergottesdienst von ihrer Arbeit erzählten. Als er 17 Jahre alt war, stellte sein Konfirmator Pfarrer Alfred Viering schließlich die Frage, die Walter Moritz schon lange beschäftigte: Ob jemand in die Mission gehen wolle. Moritz überlegte nicht lange, meldete sich und bewarb sich bei der Rheinischen Mission in Wuppertal.

Das Vorstellungsgespräch lief es nicht so gut und so dauerte es mit seiner Aufnahme in das Seminar in Wuppertal bis 1952. Sein Theologiestudium dort begann er nach dreijähriger Vorschule im Jahr 1955. Am 11. September 1960 schließlich ordinierte ihn Pfarrer Viering in der Pauluskirche. Danach konnte er sich endlich der Mission zuwenden und so brach er bald nach Südafrika auf und kam später nach Südwestafrika, in das heutige Namibia, wo er zwölf Jahre lang blieb. Seine Verlobte Hilde, die er während des Studiums kennengelernt hatte, folgte ihm. „Meine Frau habe ich in Wuppertal in Deutschland kennen gelernt. 1962 haben wir dann in Wupperthal in Afrika geheiratet", erinnert sich Walter Moritz.

Wichtig war ihm während seiner ganzen Zeit als Missionar, die Einheimischen zur Selbstständigkeit zu befähigen. Ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, war von Anfang an sein Ziel. So lernte er 1960/61 die einheimischen Sprachen Herero und Nama – viele Jahre später schrieb er sogar einen Sprachführer darüber.

Neben seiner Gemeindearbeit und den Gottesdiensten bereitete Walter Moritz die Gemeinde vor allem auf einen einheimischen Pastor vor. Aber auch den Mann selbst für diesen Dienst zu befähigen, war ein wichtiger Teil der Aufgabe. „Die Apartheid war allgegenwärtig. Es war wichtig, den Farbigen Selbstbewusstsein zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie das alles selbst tun können.“

Nach drei Jahren in Wupperthal gingen der Missionar und seine Familie nach Walvisbaai, wo ein ganz anderes Klima herrschte. Er berichtet: „Wir kamen vom Paradies in die Wüste.“ In der Region baute er unter anderem Kirchen auf. Und immer wieder stand der Unterricht der Gemeindeglieder und der zukünftigen einheimischen Pfarrer im Vordergrund.

1972 kam der Abschied von Namibia. „Die Entwicklung dort war noch lange nicht abgeschlossen“, erinnert er sich. Die politische Selbstständigkeit kam 1989 und damit veränderte sich auch das Bild der Kirche. Die Familie aber lebte da schon lange in Deutschland in die damalige Kirchengemeinde Wallenbrück. 1991 wechselte Pfarrer Moritz nach Spenge, wo er vor allem für das St. Martins-Stift verantwortlich war. Zu dem Alten- und Pflegezentrum hält er bis heute den Kontakt.

Auch den Kontakt nach Namibia hat er nie verloren. Noch immer unterstützt er dort Hilfsprojekte und hält hier in Deutschland Vorträge über seine Zeit in Afrika oder gestaltet Ausstellungen. „Afrika lässt mich einfach nicht mehr los“, sagt er. Immer wieder reist er dorthin und bringt dann jede Menge neuer Eindrücke und Nachrichten aus Südafrika und Namibia mit nach Hause. (fra)

Walter Moritz, Vom Paradies in die Wüste. 12 Jahre als Missionar in Namibia und Wupperthal/Südafrika, epubli 2017, 172 Seiten mit 51 Fotos, ISBN 978-3-7450-4572-7, 15 Euro