22.11.2017 14:31

„Unterwegs mit Luther“

Erlebnisse einer Pilgergruppe der Kirchengemeinde Werther

Eine Pilgergruppe wanderte von Werther nach Borgholzhausen. Foto: privat

WERTHER – 17 Pilgerinnen und Pilger wanderten vor kurzem unter Leitung von Gemeindepädagogin Claudia Seidel auf einen herbstlichen Pilgerweg von Werther nach Borgholzhausen. Das Thema des Tages lautete: „Unterwegs mit Luther“. Dass einige Tage vor dem 500jährigen Gedenken der lutherischen Reformation an den einzelnen Stationen auch Luthertexte vorgelesen wurden, war selbstverständlich.

Los ging es an der Bethlehemskirche in Rotenhagen. Hier am Gotteshaus der Kirchengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) erwartet Edith Kipp , ein engagiertes Gemeindeglied, die Gruppe.

Sie führte in die Geschichte ihrer Kirchengemeinde und der Kirche ein, in der 1889 der erste Gottesdienst gefeiert worden ist. Und erzählte, dass sich damals an der Finanzierung der Kirchturmuhr in Rotenhagen auch Landwirte beteiligt haben, die zwar der damaligen Evangelisch-Lutherischen Kirche Altpreußens (Vorläuferin der SELK) nicht angehörten, aber bei den Feldarbeiten eine Kirchturmuhr im Blickfeld haben wollten.

Von Rotenhagen ging es über Thenhausen nach Brincke. Auf Schloss Brincke wurde eine Andacht in der dortigen neoromanischen Kapelle gehalten, und Gräfin von Kerssenbrock erläuterte sehr kenntnisreich diesen Sakaralbau und das 1351 erstmals erwähnte ehemalige Wasserschloss. Es befindet sich noch heute im Besitz der Grafen von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock-Praschma, einer sehr traditionsreichen katholischen Familie. Bewegend war, wie sehr jede Generation von Schlossherren in der Schlosskapelle eigene Glaubensüberzeugungen zum Ausdruck brachte und mit viel persönlichen Einsatz für den Erhalt dieses Gotteshaus sorgte.

Von Schloss Brincke wanderte die Gruppe weiter nach Borgholzhausen. Auf dem Weg dorthin wurden von den einigen Teilnehmenden kleine Gedichte geschrieben, die das bisher Gehörte und Erfahrene aufnahmen. Diese Gedichte wurden während der abschließenden Andacht in der Evangelischen Kirche Borgholzhausen vorgetragen. Pfarrerin Silvia Schultz führte hier die Gruppe durch die Kirche. Ein Vorläufer dieses Kirchengebäudes war 1196 erstmals urkundlich erwähnt worden, um 1340/1350 erfolgte der Bau der heutigen Kirche.

Höhepunkt der Kirchenführung war ohne Zweifel die Erläuterung des 1501 gearbeiteten Steinaltars, dessen Figuren nicht mit dem Meisel geschaffen wurden, sondern der frische Stein wurde mit dem Messer bearbeitet. Die Darstellungen der Heilsgeschichte waren – wie vielerorts in Deutschland und Europa – eine „biblia pauperum“, eine Armenbibel, die biblische Kenntnisse den vielen Gläubigen vermittelte, die weder lesen noch schreiben konnten. Bis heute fasziniert das "einmalige westfälische Kunstwerk" und lädt zur Meditation ein.

Ganz im Sinne Luthers, der den leiblichen Freuden nicht feind war, kehrte die Gruppe im Café ein, um sich zu stärken. Pfarrer Holger Hanke traf hier die Gruppe zum Rücktransport. (CS)