22.08.2017 15:25

„Und wenn die Welt voll Teufel wär´…“

Pilgerwanderung auf dem „Weg der Stille“

Bischof Anba Damian zeigt den Besuchern aus Steinhagen das koptische Kloster in Brenkhausen.

Die Wandergruppe in Kloster Brenkhausen mit Bischof Damian und dem emeritierten Aachener Bischof Mussinghoff. (Fotos: privat)

STEINAHGEN – „Und wenn die Welt voll Teufel wär´…“  war das Motto der 13 Pilgerinnen und Pilger sowie den Pilgerführern Karin und Dieter Klose, gemeinsam gingen sie auf den „Weg der Stille“. 40 Kilometer legte die Gruppe an einem Wochenende in den Sommerferien durch den lippischen Norden zurück, von Schwalenberg über Marienmünster und das koptische Kloster in Brenkhausen nach Corvey. Für den größeren Teil der Gruppe war es die erste Erfahrung mit dem Pilgern.

„Was wird uns erwarten?“ Mit diese Frage begann nicht nur die Andacht in der evangelischen Kirche in Schwalenberg, sondern die ganze Wanderung. Zehn Kilometer waren am ersten Tag zu bewältigen, mit Ausblicken in die wunderschöne Landschaft, mit Zeiten der Stille, in denen die Gruppe gedanklich den Impulsen nachgehen konnte, die die Pilgerführer ihnen immer wieder mitgaben. Im Jahr des Reformationsjubiläums erinnerten sie an ein Lied von Martin Luther: Der Teufel, die Mächte des Bösen, die Dunkelheiten in der Welt und im Leben – all das ist heute so wirklich wie damals, auch, wenn es heute in anderer Form erlebt und andere Bilder dafür gefunden werden. finden. Wie begegnen wir dem Bösen, wie können wir das Böse überwinden, woher kommt die Kraft, dem Bösen zu widerstehen?  Diese Fragen und Gedanken haben den Weg begleitet, in Andachten, Impulsen, Liedern und Gebeten.

Im „Klosterkrug“ in Marienmünster verbrachten die Wandernden die erste Nacht und genossen am anderen Morgen eine Führung durch das neue „Forum Abtei“, in dem BesucherInnen auf sehr moderne, mediale Weise ganz viel über die Klöster und ihre Geschichte in der Gegend erfahren.
Nach 16 Kilometer erreichte die Gruppe n das Kloster Brenkhausen. „Ihr seid ja verrückt“, sagte Bischof Anba Damian, als er sie begrüßte. Er empfing die Steinhagener mit seiner ganz besonderen, warmen und herzlichen Gastfreundschaft. Höchstpersönlich brachte er Kaffee, Tee und Wasser, Kuchen und sogar von der Hochzeitstorte, die anlässlich einer Trauung im Hause war.

Bischof Anba Damian ist Regionalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, und nachdem er 1993 die damalige Ruine des Klosters Brenkhausen für eine D-Mark übernahm, hat er sie im Laufe der Jahre mit bewundernswertem Engagement und Kraft und mit der Hilfe vieler Menschen wieder hergestellt und zu einem Zentrum koptischen Lebens und Glaubens in Deutschland gemacht. Hier erleben Menschen Kirche einmal ganz anders, eine andere und sehr alte, auf das ganz frühe Christentum zurückgehende Tradition und einen Bischof, der sich wohl sehr von allen Bischöfen und Kirchenleitenden unterscheidet, die wir sonst erleben.

Der Sonntagmorgen begann mit einem „Weihrauchgebet“, einer Morgenandacht nach koptisch-orthodoxer Liturgie, die der Bischof selbst feierte. Und ebenso ungewöhnlich ging es weiter, beim Frühstück saßen die Wanderer gleich mit zwei Bischöfen am Tisch, denn zu Gast war auch Heinrich Mussinghoff, emeritierter Bischof von Aachen. In solch geistlicher Gemeinschaft wurde auch das Frühstück zu einem ganz eigenen Erlebnis.

Mit doppeltem bischöflichem Segen ging es auf die letzte Etappe von Brenkhausen durch Wälder und ein wunderschönes Naturschutzgebiet am Räuschenberg ging es Richtung Corvey, wo die Gruppe im Westwerk im Johannischor mit einem Lied, Gebet und Segen den Pilgerweg beendete.   (pi)