18.04.2017 11:47

Vom Fußboden bis zu den Fenstern

St. Georgskirche soll nach Renovierung in neuem Glanz erstrahlen

Planen die Sanierung der St. Georgskirche Brockhagen bis ins Detail (v.l.): Pfarrer André Heinrich, Presbyter Gerhard Zimmermann, Baukirchspezialist Fritz Schebaum und Architekt Stefan Terbrack.

André Heinrich freut sich darauf, dass der Haupteingang der Kirche in Zukunft häufiger genutzt werden kann.

Am Fuß der Kanzel ist der Schimmelbefall, der durch die Sanierung beseitig werden soll, am deutlichsten zu sehen. (Fotos: fra)

BROCKHAGEN – „Ausklang“ war der Gottesdienst am Ostermontag überschrieben. Er war der vorerst letzte in der Brockhagener St. Georgskirche. „Zur Weihnachtsmusik der Brockhagener Chöre am dritten Advent wollen wir wieder zurückkehren“, hofft Pfarrer Dr. André Heinrich. Dazwischen finden die meisten Gottesdienste im Kantorhaus statt. Es wird auch den einen oder anderen Freiluftgottesdienst geben und für die großen Festgottesdienste zur Konfirmation oder den Konfirmationjubiläen darf die Gemeinde die Steinhagener Dorfkirche nutzen. Und das alles, weil die fast 450 Jahre alte Kirche eine Sanierung braucht.

Für die Sanierung wurde die Kirche nach Ostern leergeräumt: Bänke, ein Teile des Altars, der Kanzel und der Emporen müssen raus. Zum einen, weil es eine neue Heizanlage gibt, zum anderen, um vom Schimmelbefall befreit zu werden. „Unsere elektrische Unterbankheizung hat die Kirche zu unregelmäßig beheizt. So hast sich an vielen Stellen Schimmel gebildet“, sagt Fritz Schebaum, der den Vorsitz des Bauausschusses für die Kirchenrenovierung übernommen hat. Auch die Orgel braucht eine Überholung.

Um die Leitungen der neuen Heizung verlegen zu können, müssen alle Bodenplatten entfernt werden. „Dabei bleibt kaum eine Platte heile“, sagt Architekt Stefan Terbrack aus Bielefeld. Die alte Heizung kommt raus und der neue Kessel wird im Keller des Kantorhauses installiert. Über Leitungen und Wärmetauscher wird die Wärme in die Kirche geleitet. Drei Belüftungsstationen, eine am Altar, eine in der Mitte und eine hinten an der Tür zum Turm, werden in der Kirche im Boden versenkt. „So beheizt man Kirchen heute“, erläutert Stefan Terbrack. Diese Installation ist der erste wichtige Schritt der Sanierung.

Daneben ist ein weiteres wichtiges Ziel der Sanierung, die Kirche barrierefrei umzubauen. Die einzigen Stufen, die bleiben, sind die am Altar. Die Podeste der Sitzbänke verschwinden. Außerdem wird Raum für Rollatoren und Rollstühle im Mittelgang und an den Seiten geschaffen. Dazu werden die Bänke um 20 Zentimeter gekürzt und die ersten beiden Reihen verschwinden ebenso. Das bringt auch Platz für Posaunen- oder Kirchenchor. Außerdem werden die beiden letzten Bankreihen komplett entfernt, um im hinteren Teil der Kirche Platz für Ausstellungen oder ein Kirchcafé zu haben. Pfarrer André Heinrich: „Wir wollen die Kirche flexibler gestalten, um auch mal eine Andacht in kleinem Rahmen zu gestalten oder den Raum in Szene zu setzen.“ Dazu gehört auch die Neugestaltung am Turmeingang: Er wird offener, heller sein in Zukunft, damit dieser Eingang häufiger geöffnet werden kann. Schon jetzt ziehen Brautpaare zum Beispiel gerne durch den langen Mittelgang ein. Bei anderen Festgottesdiensten wird dies für die Akteure ab Dezember auch möglich sein.  

Als das „Herzstück der Renovierung bezeichnet Architekt Terbrack aber das neue Beleuchtungskonzept. Zurzeit sorgen Kronleuchter dafür, dass die Kirche voll erleuchtet ist oder in gedimmtes Licht getaucht ist. Das neue Lichtsystem, das Osnabrücker Spezialisten entwickeln, soll Stimmungen in der Kirche erzeugen können. Und schließlich werden die Fenster gesäubert werden.

Mit Kosten zwischen 640.000 und 690.000 Euro rechnet die Kirchengemeinde für diese große Maßnahme. „Wir haben konservativ geplant und auch noch einen Puffer eingebaut“, sagt André Heinrich. 25.000 bis 30.000 Euro möchte die Gemeinde über Spenden einbringen. Es gibt schon Ideen, wie die Gemeinde das erreichen kann: Die Stühle aus der ersten Reihe, die Lampen sowie sechs Kirchen- und zwei Presbyterbänke stehen zum Verkauf.
Schon jetzt lädt Pfarrer Heinrich die Gemeindeglieder ein, während der Bauphase eine Blick in die Kirche zu werfen: Voraussichtlich vom 8. bis 10. September wird die Kirchenbaustelle für die Gemeinde geöffnet. „Näheres dazu, wenn wir den Termin festgezurrt haben.“ André Heinrich ist ein vorsichtiger Mensch: Er hofft, dass es keine unvorhergesehenen Überraschungen gibt, wenn die Kirche ausgeräumt und die Bodenplatten gehoben werden. (fra)