14.04.2017 11:45

„Dem Menschen zugewandt“

Ausstellung zum 10. Todestag des Fotografen Vincent Böckstiegel

Vincent Böckstiegel mit seiner Schwester Sonja (links) und seiner Mutter. Foto: Böckstiegelhaus

WERTHER – Der Todestag von Vincent Böckstiegel jährte sich am 5. März 2017 zum zehnten Mal. Der 1925 in Dresden geborene Sohn von Hanna und Peter August Böckstiegel verstarb im Jahr 2007 während einer Kur in Bad Wörishofen und wurde kurze Zeit später im Ehrengrab des Vaters neben seiner Mutter und seiner Schwester Sonja (1920-2005) in Werther beigesetzt. An Vincent Böckstiegels Wirken als Fotojournalist – unter anderem bei der Evangelischen Wochenzeitung Unsere Kirche (UK) – wird eine Ausstellung mit dem Titel „Dem Menschen zugewandt“ vom 27. April bis 15. Mai im Rathaus Werther erinnern.

Mit seiner Schwester Sonja verband ihn nicht nur der gemeinsame Geburtstag – der 12. Februar -, sondern auch die 2004 erfolgte, gemeinsame Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz, das beide für ihr Bemühen um das künstlerische Werk Peter August Böckstiegels erhielten. Dessen großer Nachlass, knapp 1.300 Kunstwerke, war von beiden Kindern des Künstlers und ihrer Mutter nach dem frühen Tod Böckstiegels im Jahr 1951 erhalten, gepflegt und in Ausstellungen vermittelt worden.

Vincent Böckstiegel selbst schlug schon früh einen eigenen künstlerischen Weg ein: Anders als sein Vater widmete er sich der Fotografie und der filmischen Arbeit, unter anderem auf dem Werksgelände der Firma Bertelsmann & Niemann (Florex) in Steinhagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst als Kameramann für die „Wochenschau“ tätig und später als Bildkorrespondent für die „Kasseler Zeitung“. 1951 machte er sich selbstständig und war viele Jahre als Fotograf für UK, Bethel und das Evangelische Johannesstift in Berlin aktiv. Er schuf auf privaten und dienstlichen Reisen rund um die Welt faszinierende Bilder einer zum damaligen Zeitpunkt noch exotischen Fremde. Reisereportagen führten ihn zu vielen ökumenischen Konferenzen, unter anderem nach Indonesien, Tasmanien, Neuseeland und Japan, wo er sich vor allem für das Leben der einfachen Menschen und der Landbevölkerung interessierte und es ins Bild setzte.

Daneben arbeitete er auch für die Industrie, unter anderem für Melitta und Mercedes, und es entstanden Fotografien von Prominenten, so von Bundeskanzler Willy Brandt, Mutter Teresa oder die Dokumentation eines Papstbesuches. Seine besondere Liebe galt dem Land Israel. Hier entstanden viele Fotografien, die in den jährlich erschienenen Bildkalendern „Botschaft im Bild“ vom Evangelischen Presseverband veröffentlicht wurden.

Im Elternhaus in Arrode verbrachte Vincent Böckstiegel viele Jahre seines Lebens. Immer wieder war er bei Eröffnungen von Ausstellung, die das Schaffen seines Vaters vorstellten. Daneben öffneten er und seine Schwester Sonja ihr Privathaus für Führungen, vor allem für Schulklassen, und vermittelten das Werk Böckstiegels leidenschaftlich und aus erster Hand. Vincent Böckstiegel war für kurze Zeit verheiratet, hinterließ jedoch wie seine Schwester keine Kinder. Auch deshalb bemühten sich beide um die Gründung einer Stiftung, die das Werk des Vaters – getragen vom Kreis Gütersloh – erhalten sollte. Beide träumten davon, das Werk des Vaters am Ort seiner Geburt in einem Museumsbau präsentieren zu können. Ein Wunsch, der sich erst zehn Jahre nach Vincent Böckstiegels Tod erfüllen kann. (UW)