05.12.2016 16:46

Mit Poesie in andere Welten entführen

Erzähler bei Expertencafé für alle Generationen

Thomas Hoffmeister-Höfener hat einen Koffer voller Geschichten dabei. (Fotos: fra)

VERSMOLD – Selbst die Frage, wie man Geschichtenerzähler wird, beantwortet Thomas Hoffmeister-Höfener mit einer Geschichte – an deren Ende unklar bleibt, ob es wirklich so gewesen ist. Zwar erzählt er vom Großvater, der ein großer Erzähler war und dessen Geschichten den kleinen Jungen faszinierten und sprachlos zuhören ließen. Aber, ob es sich dabei tatsächlich um den eigenen Opa gehandelt hat und die Großmutter in der Geschichte die eigenen Oma war – dass verriet er nicht. Es hätte jedoch genauso sein können.

Das schon traditionellen Expertencafé für alle Generationen im November im Versmolder Katharina-von-Bora-Haus stand in diesem Jahr unter der Überschrift „Das Blaue vom Himmel – Faszination Erzählen“. Der Theologe und Erzähler Thomas Hoffmeister-Höfener gewährte den etwa 40 Gästen dabei einen Blick hinter die Kulissen seiner Leidenschaft. Hoffmeister-Höfener ist Diplom-Theologe und arbeitet im Rahmen der kultur- und relgionspädagogischen Projektarbeit von Theomobil e.V. als selbständiger Künstler und Theologe. Seit zehn Jahren ist er inzwischen als Erzähler unterwegs und erfreut Jung und Alt mit seiner Kunst – so wie in Versmold.

Hier nahm er das Publikum zwischen 12 und 82 Jahren mit auf eine Reise voller fantasievoller und diskussionswürdiger Geschichten und Erzählungen. Zwischendurch beantwortete er Fragen zur Erzählkunst. „Es war uns wichtig, nicht nur Geschichten zu hören. Beim Expertencafé geht es immer auch darum, den Gästen Wissen zu vermitteln“, erläutert Beatrix Eulenstein, Pfarrerin mit sozial-diakonischen Aufgaben im Evangelischen Kirchenkreis Halle und Ideengeberin für das Expertencafé. „In den vergangenen Jahren ist es zum Beispiel um die Krankheiten Parkinson und Demenz gegangen, im vergangenen Jahr haben wir uns mit Musik und Musiktherapie“, ergänzt Elisabeth Hübler-Umemoto, Pfarrerin in Versmold und Mitorganisatorin. Vorträge und Fragerunden zum Thema wechseln sich dabei immer ab.

Geschichtenerzählen sei, so Thomas Hoffmeister-Höfener, zwar eine Kunst, aber man könne sie erlernen. Er verriet den Zuhörerinnen und Zuhörer, dass er manchmal einen Tag, manchmal eine Woche brauche, um sich eine neue Geschichte neu zu erarbeiten. „Das richtige Erzählen hilft, Dinge zu verstehen“, erklärte er. Die Menschen bräuchten Geschichten, um Dingen einen Sinn zu geben. Manche Erzählungen erklärten die Welt – so wie die Schöpfungsgeschichte oder andere Geschichten in der Bibel.

„Geschichten helfen Menschen, sie sind Erfahrungsberichte“, sagt Hoffmeister-Höffner. Deswegen erzählten Eltern oder Großeltern ihren Kindern oder Enkelkindern am Bett Geschichten. „Filme sind nichts anderes als Erzählungen. Nur auf eine andere Art“, ergänzt Beatrix Eulenstein. Wenn Hoffmeister-Höfener so lebendig erzählt, sei ist das sogar besser als jeder Film. Die Gäste des Expertencafés bestätigten das. Sie ließen sich vom Erzähler zum Lachen oder Nachdenken bringen. Freuten sich an der poetischen Sprache und erlebten seine Gesten und Mimik als spannende Ergänzung zum Thema. Die Kommunikation mit dem Publikum, so betonte er, sei wichtig. Er wisse vorher oft gar nicht, welche Geschichten er erzählen wird. „Ich habe immer einen ganzen Koffer an Geschichten dabei und entscheide zusammen mit dem Publikum.“ Und einen richtigen Koffer mit Gegenständen, die für Geschichten stehen, hatte er tatsächlich dabei. „Sie haben uns Mut gemacht, es auch zu versuchen“, bedankte sich Pfarrerin Hübler-Umemoto am Ende der Veranstaltung. (fra)