17.05.2016 17:59

Zeiten der Begegnung an Pfingsten

Vielfältiges Programm bei der Nacht der offenen Kirchen angeboten

Nach dem Film wurde in gemütlicher Runde gemeinsam gegessen und diskutiert.

Sangen Lieder aus aller Welt: der Gospelchor aus Versmold.

Eine der Stationen, an denen man während des Gottesdienstes aktiv sein konnte – hier: Gebetsanliegen formulieren.

An diesem Tisch mit italienischen Köstlichkeiten bedient man sich gern. Fotos: -dag-

BORGHOLZHAUSEN/VERSMOLD – Die von der westfälischen Landeskirche initiierte „Nacht der offenen Kirchen“ fand in diesem Jahr bereits zum siebten Mal statt – und hat nichts von seiner Attraktivität verloren. In der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag waren viele Kirchen geöffnet. Das Programm der beteiligten Gemeinden war so vielfältig, dass sich Interessierte die Punkte heraussuchen konnte, die sie ansprachen. 26.000 Gäste kamen westfalenweit zu den Angeboten. Im Evangelischen Kirchenkreis Halle beteiligten sich diesmal die Gemeinden Borgholzhausen und Versmold.

Blick auf den nicht perfekten Menschen

In Borgholzhausen stand die Nacht der offenen Kirchen unter dem Thema „Leben mit eigenen Grenzen.“ Zu Beginn erhielten die circa 50 Besucherinnen und Besucher einen biblischen Impuls von Pfarrerin Anne-Kathrin Becker zu diesem Thema: Es ging um die Seligpreisungen aus dem Matthäusevangelium. Darin wirft Jesus einen liebevollen Blick auf nicht perfekte Menschen.

Um drei Personen mit nicht alltäglichen Eigenschaften ging es anschließend in „Vincent will Meer“, einem deutschen Spielfilm aus dem Jahr 2010. Der tourette-kranke Vincent, Zwangsneurotiker Alexander und die magersüchtige Marie lernen sich in einer Klinik kennen und beschließen, gemeinsam nach Italien zu entfliehen. Sie wollen ans Meer und jeder schafft es für sich, einen Weg zu finden, um mit seiner Begrenzung im Leben zurecht zu kommen.
„Ich freue mich, dass wir in Borgholzhausen die Tradition der Nacht der offenen Kirchen schon seit Jahren aufrechterhalten. Es ist wichtig, den Kirchraum auf unterschiedliche Art und Weise zu gestalten. Wir haben doch eine so schöne Kirche“, war Pfarrerin Anne-Kathrin Becker mit dem Abend zufrieden.

Der sollte nach dem Film aber noch lange nicht zu Ende sein. Am Buffet konnten sich alle Gäste nach Herzenslust bedienen – angelehnt an den Film gab es italienische Köstlichkeiten: Antipasti (Vorspeisen), Pollo diavolo (Teufelshähnchen), Caprese (Salat) und Cantucci (Mandelgebäck) – alles zubereitet von Presbyterin Rita Lange. Carola Dallmayer hatte die Tische dekoriert, deren Flieder in einem nicht alltäglichem leichten rosa es den Gästen besonders angetan hatte.

So gestärkt, rückten die Besucher zusammen und setzten sich um einen großen Tisch, um über den Film und das Motto des Abends ins Gespräch zu kommen. Eindrucksvoll sei er gewesen, so war der allgemeine Tenor, er habe nachdenklich gestimmt und man habe neue Erkenntnisse gewonnen. Alle stimmten darin überein, dass jeder und jede eigene Grenzen kenne oder einen „Makel“ habe. Den müsse man für sich annehmen und versuchen, damit klarzukommen – und andere müssen einen so annehmen, wie man ist.

Internationale Musik in Versmold

In Versmold hatte man sich auf eine lange Zeit der Begegnungen vorbereitet: Bereits um 19 Uhr ging es los und der Abend endete gegen Mitternacht. Da Pfingsten an das Wunder erinnert, dass Menschen aus unterschiedlichsten Ländern sich in ihrer eigenen Sprache angesprochen fühlten, wandelte die Gemeinde als Motto einen Satz aus der Apostelgeschichte leicht ab: „Sie fingen an zu singen in anderen Sprachen.“

Pfarrer Sven Keppler und Vikarin Katharina Blöbaum hielten einen Eingangs-Gottesdienst, bei dem die Besucherinnen und Besucher an fünf verschiedenen Stationen in der Petri-Kirche Gelegenheit hatten, in jeweils vier Minuten Gebetsanliegen zu notieren oder unter Anleitung Lieder auf Spanisch sowie Farsi (Persisch) zu singen. „Ich habe mich sehr gefreut, dass während des Gottesdienstes immer mehr Besucher dazukamen“, berichtete Pfarrer Sven Keppler.

So waren es mehr als 120 Gäste, die sich am liebevoll gestalteten, mit kulinarischen Leckereien versehenen Buffet bedienten, für das die Presbyterinnen Sabine Froböse, Gitta Brandt, Ulrike Sirges und Pfarrerin Anja Keppler verantwortlich zeichneten. Nach dieser Stärkung ging es musikalisch mit Liedern aus vier Kontinenten weiter. Der Gospelchor der Gemeinde sang unter anderem das „Hosianna“ aus Südafrika sowie ein Morgenlied aus Nordamerika.

Im Anschluss daran gab der junge Shahab aus dem Iran ein Gitarrenkonzert und sang Lieder in Farsi. Nach einer kurzen Pause erzählten die Mitglieder der Delegation aus dem Partnerkirchenkreis Misiones in Argentinien von ihrem Musikprojekt und präsentierten Straßenmusik aus ihrer Heimat. Der Kirchenkreis Halle unterhält seit 1990 eine Partnerschaft mit Misiones und unterstützt auch dieses Musikprojekt. Mit dem Argentinier Pablo Senneke, der Lieder auf Spanisch vortrug, ging der musikalische Teil zu Ende.

Zum Abschluss der Nacht wurde es dunkel in der Versmolder Petri-Kirche: Kino-Zeit. ‚Rhythm is it‘, der vielfach prämierte deutsche Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004, wurde gezeigt. Im Februar 2003 begannen die Berliner Philharmoniker unter Chefdirigent Sir Simon Rattle mit 250 Kindern und Jugendlichen aus 25 Nationen, die weder vertraut mit klassischer Musik noch mit Tanz waren, ein Projekt, in nur sechs Wochen die Aufführung eines Balletts zu verwirklichen.  (-dag-)