Wort zum Sonntag Invokavit, 18. Februar 2018

„Butter bei die Fische!“ So sagte man bei uns in Gelsenkirchen, wenn es darum ging, Farbe zu bekennen, Position zu beziehen. Kneifen gilt nicht.
„7 Wochen ohne Kneifen.“ So lautet die diesjährige Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. Für Christinnen und Christen ist die Fastenzeit sieben Wochen des Nachdenkens über das eigene Leben. Dadurch sollen im Leben neue Akzente gesetzt werden und neue Handlungsoptionen, um die Welt zum Guten zu verändern. Dazu zählen auch der aufrechte Gang und das Einstehen für Gerechtigkeit, Frieden und Toleranz nach christlichem Verständnis; eben: Butter bei die Fische.
„7 Wochen ohne Kneifen.“ Gerade in Zeiten populistischer Schmäh-Kampagnen, so genannter shit-storms z.B. bei Facebook, in denen bewusst mit falschen Behauptungen Menschen diskriminiert werden, gilt es als Christ Farbe zu bekennen.
Der Rassismus wird auch in unserer ländlichen Region gelebt. Erst kürzlich wurde ein junger, dunkelhäutiger Handballspieler aus Harsewinkel beim Spiel mit Affengeräuschen und Schmährufen konfrontiert. Wenn ein Mensch seiner Würde beraubt wird, wenn die Ausgrenzung von Minderheiten und die hämische Herabsetzung durch „Gutmenschen“ laut grölend oder feinsprachlich in Debatten des Bundestages gefordert wird, sollten sich der Botschaft Jesu Christi zugewandte Menschen nicht verstecken, nicht untertauchen oder wegducken.
Nicht kneifen! In Jesu Namen: Butter bei die Fische. Und nicht nur bis Karfreitag.

Jörg Eulenstein ist Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Harsewinkel.